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Tomorrow
Es war vielleicht kein Zufall, dass wir am 11. September 2001 im Studio gerade an dem Song Tomorrow gearbeitet haben. Nachdem wir die Bilder vom Anschlag auf die Twin Towers im Fernsehen verfolgt hatten, fiel uns auf, dass wir gerade einen Song über Zivilcourage aufnahmen. Eine Aufforderung zum Handeln. Ein Song über die Notwendigkeit heute die Weichen für die Zukunft zu stellen. Wir übernahmen deshalb auch spontan Originalberichte aus dem amerikanischen Fernsehen für das Ende des Songs, das kurz nach den Worten einiger Augenzeugen und Live-Reporter (It seemed, like it wasnt even real!) nach einem abrupten Ende in den Anfangspart zurückgeht. Ein Kreis der sich so lange dreht, bis wir alle etwas dagegen tun. Marino Ja, Marino hat es schon gesagt, es geht um Veränderung im Bewusstsein von Menschen. Wir müssen einsehen, dass wir in der Welt da draußen nur etwas verändern können, wenn wir uns selbst ändern. Da hilft es gar nicht auf die Bösemänner zu schießen, damit bekämpft man nur Symptome, keine Ursachen. Das Mischen war, wie die Message des Songs selber, ein harter Kampf. Wir wollten das Beste heraus holen, und das ist uns wohl auch gelungen. Auf der Drum Loop haben wir einen Effekt verwendet der "North Pole" heißt! Nur für die unter Euch, die sich fragen wie CARLINI diesen irren Sound wohl hingekriegt haben. "Tomorrow" birgt auch eine kleine Premiere: zum ersten Mal habe ich mit Marino einen Text zusammen geschrieben, leider bisher der Einzige. Steven Beating of your heart Irgendwann im Leben eines Jeden steht man plötzlich seiner großen Liebe gegenüber, und irgendwann ist diese Liebe auch wieder vorbei. Dennoch scheint es Verbindungen zu geben, die weit über Trennungen hinaus zu existieren scheinen. Dieser Text steht für den Wunsch, diese alte große Liebe wieder zu spüren und fest zu halten. Alle die gerne in der Vergangenheit leben können sich hier wieder finden. An alle Träumer: träumt euren Traum weiter, aber lebt in der Gegenwart. Musikalisch haben wir uns sehr an der CD "Carlini" von 1999 orientiert. Sehr schön finde ich das Echolot eines U-Bootes, das wir mit eingebaut haben - ist euch das aufgefallen? Steven "Beating of your heart" ist uns besonders gut gelungen, wie ich finde. Deshalb haben wir ihn auch ganz weit nach vorn auf das Album gelegt. Eine Info zu meinem Gesang: Ich hatte den ersten Pilotgesang für die Aufnahmen so richtig verhunzt. Lag so weit vor dem Beat, dass wir uns entschlossen, mitten in der Produktion des Songs einen neuen Pilotgesang aufzunehmen, weil man wirklich nicht mehr dazu einspielen konnte. Ich habe bewusst in dem dann flugs eingesungenen Take sehr weit "hinten" gelegen. Zu meiner Überraschung gefiel uns das Ergebnis so gut, dass wir es schließlich unverändert auf der fertigen Version beließen. Marino Bring you back Meine absolute Lieblingsnummer. Kaum zu glauben, aber hier schafft es Marinos Stimme immer noch mir nach hundertfachem Hören eine Gänsehaut zu verpassen. Ich denke das wird Anderen ähnlich gehen. Sehr großen Anteil an diesem Effekt hat natürlich auch Dietrichs unglaublich schönes Orchesterarrangement. Steven Vielleicht halte ich "Bring you back" für den besten Song, den Steven je geschreiben hat. Er verursacht bei mir jetzt noch, nach dem 500. Mal hören, eine Gänsehaut. Die Hookline ist einfach perfekt. Schön, dass wie den Song so sparsam instrumentiert haben. Nachdem wir ihn eine Zeit lang nicht gehört hatten, waren wir selbst überrascht von den Background-Gesängen. Wohl deshalb haben wir am Schluss noch einen A-capella-Part eingefügt. Besonders angetan haben es mir übrigens die Holzbläser am Ende. Ich finde es hat etwas von "Penny Lane". Marino Heart to heart Songtexte zu erfinden ist nicht so meine Sache. Das braucht schon einen wahren Kern, und so ist es tatsächlich passiert, dass ich im Sommer am See ein Playmate kennen lernte.Wenn das kein Stoff für einen Songtext ist, weiss ich auch nicht! Der Rockstar und das Playmate - dachte ich, wie klassisch, was für ein Cliche. Natürlich ist auch eine Menge dazugedichtet, sonst wäre der Text zu langweilig ausgefallen. Aber wie weit die Wahrheit wirklich geht, verrate ich nicht, das überlasse ich eurer Fantasie. Ich finde es klasse, dass wir diese Nummer eher im 80ger Stil produziert haben, auch wenn das nicht so ganz dem klassischem Carlini-Sound entspricht. Steven Die Geschichte spiegelt sehr schön die bohemische Ader Stevies wider. Er, als leidenden Künstler, der aus der Ferne aus Verehrung zu einer Schönen einen Song über sie schreibt. Wir haben "Heart to heart" schon im letzten Live-Programm gehabt. Mir gefällt er jetzt noch besser als in der Unplugged-Version damals. Besonders das Ende des Songs halte ich für sehr gelungen. Marino All I want Es kommt ja nicht so oft vor, dass man eine Studioversion noch mal ganz neu produziert, bei "All I want" haben wir es jedoch gewagt. Dieser Song gehörte auf jeden Fall mit auf das Album. Allerdings stellte sich der Remix doch schwieriger dar als wir zuerst vermuteten. Witzig finde ich, dass wir hier keine neuen Gitarrenspuren einspielen mussten. Alle neu verwendeten Spuren hatten wir noch im Rechner. Dort haben sie brav auf ihre Wiederentdeckung seit 1999 gewartet. Steven Dieser Song ist wohl das Aushängeschild der Band Carlini. Er ist seit den ersten Anfängen der Zusammenarbeit zwischen Steven und mir Ende 1994 ein ständiger Begleiter. Und wie ich feststellen muss, wird der Song immer besser. Die Albumversion mit der fantastischen Schlagzeugarbeit von Michael Wolpers ist meine Lieblingsversion von "All I want". Mal sehen wie lange. Ich vermute, es ist nicht das letzte Mal, dass wir ihn aufgenommen haben. Marino Dream on Wir haben lange überlegt, ob wir das richtige Tempo gewählt haben. Der Song schien uns lange zu langsam. Marino hat hier eine sehr schöne Komposition abgeliefert. Das Gitarrenarrangement hat mir besonders viel Spass gemacht. Endlich konnte ich mal meine Gitarre umstimmen, um die entsprechenden Flageoletts für die Strophen und das Solo zu erzeugen. Steven Der Song ist inhaltlich das Gegenstück zu "Tomorrow". Während "Tomorrow" davon spricht, sich der Zukunft zu stellen und Verantwortung zu zeigen, schließt "Dream on" mit der Welt und seiner mitunter traurigen Gegenwart ab. "Lasst mich schlafen und weckt mich bloß nicht" nicht unbedingt meine Ansicht, aber in resignierender Stimmung denkt man schon mal daran. Ein passendes Police-Zitat ist mir spontan bei der Aufnahme der Ad-lips eingefallen: Im Fade hört man die Textzeile "When the world is running down, you make the best of what's still around". Marino I ran to you Eine unglaublich gefühlvolle Klavier-Ballade von Marino. Ich habe meine Gitarrenarbeit auf das Nötigste beschränkt, um nichts vom Feeling zu zerstören. Manchmal würde ich auch gerne Klavier spielen können. Steven Den Song schrieb ich am 28. Juli 1999 in etwa 20 Minuten. Es war ein Song für meine damalige Freundin, die an diesem Tag Geburtstag hatte. Zur damaligen Zeit wäre ich mit ihr bis ans Ende der Welt gegangen. Nichts anderes sagt der Song aus. Ich mag an dem Song, dass er nicht wie unsere üblichen Songs strukturiert ist. Er beginnt mit dem Refrain und hat nur eine Strophe. Es ist eher ein Fragment, als ein kompletter Song. Aber man kann in zweieinhalb Minuten eben auch mal alles gesagt haben. Marino Sao Vicente Das Cabo Sao Vicente liegt an der Südwestspitze Portugals und bildet den südwestlichsten Punkt Europas. Von hier aus haben ganze Seefahrergenerationen ihre gefährliche Reise über die Weltmeere angetreten, sei es, um neue Kontinente zu erforschen und den Lauf der Welt zu verändern oder einfach nur für ihren Lebensunterhalt zu sorgen; und der uralte Leuchtturm von Sao Vicente schickte damals wie heute seine Strahlen aus, um die Seeleute sicher wieder nach Hause zu leiten. Ein Ort voller Ruhe, Stärke und Energie, den Elementen seit Jahrhunderten trotzend, die weißgekalkten Mauern voller Erinnerungen; Inspiration für diesen Song, dessen Rohfassung ich 1993 in Portugal schrieb und für Tides of time überarbeitete. Die Frauenstimme in der Mitte gehört Amalia Rodrigues, Portugals bekanntester Fado-Sängerin. Der Fado ist so etwas wie die traditionelle portugiesische Volksmusik; Musik voller zärtlicher Trauer, die Männer beweinend, die vom Meer dem Ernährer, dem Zerstörer - nicht mehr zurückgekommen sind. Dietrich Beim Mischen machte Dietrich uns einmal sehr selbstsicher auf den tollen Sound des Songs aufmerksam. Das käme durch die vielen geilen Keyboards, die man kaum hört. Er war sehr überzeugt von dem subtilen Einsatz seiner Keys! Als ich ihn fragte, warum er diese geilen Keyboards denn nicht auch eingespielt hätte, brachen wir alle lachend zusammen. Dietrich kringelt sich dann Wort wörtlich auf dem Fußboden. "Das kann ein Klassiker werden", sagte er nach dem er wieder zu Luft kam. Ich bin sehr glücklich, dass Dietrich diesen Song zum Album beigesteuert hat, er wertet es ungemein auf. Steven Ich liebte "Sao Vicente" schon beim ersten Hören. Wir nahmen den Song noch kurz vor Beginn der Aufnahmen mit auf das Album. Dietrich hatte erst die erste Strophe des Songs fertig. Es dauerte ein geschlagenes Jahr, bis er sich die zweite Strophe aus dem Gedächtnis kramte. Bei der Gelegenheit möchte ich erwähnen, dass es mein Lieblingstext auf dem Album ist. Sehr poetisch, sehr gut zu singen. Marino Don't cry now "Don`t cry now" habe ich schon, wie auch "I can`t wait", mit Dietrich Ende der 80er gespielt. Ich hätte nie gedacht, dass wir es schaffen, die alten Arrangements zu vergessen und eine neue Version machen zu können. Wenn man Songs zu lange kennt, und auch immer wieder auf eine bestimmte Weise spielt, ist man nicht so offen für neue Impulse. Ich bin glücklich, dass dieses "Sorgenkind" nun doch noch eine schöne, runde Sache geworden ist. Vielleicht liegt es an dem sparsamen Einsatz von Gitarren, der dieses 80er-Jahre-Feeling weggeblasen hat. Steven Dietrich unterschätzt sich auf dem kompositorischen Sektor leider immer. Man muss ihn förmlich dazu drängen, seine Songs aufzunehmen. Gerade "Don't cry now", den wir schon lange im Live-Repertoire haben, ist eine sehr schöne Klavierballade, die ich gern singe. Abgesehen vom C-Teil, entspricht sie eigentlich überhaupt nicht meiner eigentlichen Stimmlage. Aber für diesen Song "quäle" ich mich gern. Besonders erwähnen möchte ich an dieser Stelle das phänomenale Bass-Solo von Grischka Zepf. Marino Two hearts on fire Unsere Zielsetzung war es, diesen Song im Studio nahe zu so zu produzieren, wie wir ihn auch live bei unseren Unplugged-Konzerten gespielt haben. Gitarre, Klavier, Gesang - ohne viel Schnick-Schnack, einfach pur. Sicherlich hätte man das Ganze noch aufblasen können, aber ein guter Song braucht eben nicht unbedingt mehr. Hier ist weniger mehr! Steven Ich glaube, den Song singe ich noch, wenn ich im Grab liegen werde. Seit 15 (!) Jahren trage ich ihn von einer in die nächste Band weiter. Ursprünglich war es ein Rocksong, der bei Carlini zu einer Ballade wurde. Hm, mal sehen, was der Song in Zukunft noch so alles mit seinen Bands anstellt. Marino Triangle Der kompette Song geht nur über A-Dur. Sehr psychedelisch, vielleicht nicht Jedermann's Sache, mir gefällt so was allerdings. Ich glaube diesen Song liebt oder hasst man, da gibt es kein "dazwischen". Die gesamte Melodie und der halbe Text fiel mir irgendwann während einer Autofahrt ein. Schon komisch, wo einem manchmal die Inspiration überfällt. Steven Ich halte den Song für unser Meisterwerk. Ursprünglich sollte er als das Album noch als Gallerie mit einzelnen Songfragmenten geplant war nur kurz eingeblendet werden, da der ganze Song tatsächlich nur auf einem Ton basiert. Doch als wir ihn uns "vornahmen", standen wir wohl unter besonderem psychedelischen Einfluss des Yogi-Tees, den wir zu jeder (!) Session tranken. "Triangle" sollte man mit Räucherstäbchen und bewusstseinsverändernden Substanzen genießen. Aber natürlich raten wir aus gesundheitlichen Gründen dringend davon ab! "Triangle" erinnert mich stark an "Tomorrow never knows" von den Beatles. Marino I ran to you (Reprise) Zum Glück haben wir diese Variante noch eingespielt. So hatte ich auch die Chance, mich voll mit meiner Gitarre einzubringen, was im eigentlichen Song ja leider nicht so möglich war. Steven Wir wussten schon vor Produktionsbeginn, dass wir einen intrumentalen Reprise des Songs aufnehmen werden. Stevie hat eine fantastische Gitarre dazu eingespielt. Eine gelungene Ergänzung zum eigentlichen Song. Marino |
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